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Fanfic goes alive - Druckversion

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Fanfic goes alive - Oona - 17.08.2023 00:31

- Oona hat über Hannah ihr inneres Fangirl für die K-Pop-Group Ateez entdeckt
- um sich von ihren eigenen Sorgen abzulenken (ihre Unzufriedenheit über die eigene Stellung) hat sie angefangen eine Fanfiction zu schreiben, nachdem sie rausfand dass es so etwas gibt
- tatsächlich hat sie sich öfter mit Lassiter darüber unterhalten, da sie über Lustdämonen schreibt
- was sie niemals ahnen würde ist, dass kein Geringerer als Hongjoong selbst über diese Fanfic gestolpert ist und sie seitdem aktiv verfolgt
- parallel durchlebte Hannah ihre Wandlung, die sie überlebte
- Wrath gab seiner Tochter einen Wunsch frei und sie wollte unbedingt auf ein Konzert von Ateez und Stray Kids
- das löste Diskussionen in der Bruderschaft aus, weil Hannah ein perfektes Ziel für Xcor und seine Bande wäre
- seit geraumer Zeit kommt es nämlich zu stetig mehr Spannungen innerhalb der Vampirgesellschaft, nachdem das Land der Asche wieder aktiv ist und Xcor das als Aufhänger nutzt, seine Rebellion voran zu treiben. Schließlich wäre man im Land der Asche vor den Lessern in Sicherheit
- letztendlich suchte Wrath den Kompromiss, die Bands zu einem Privatkonzert anzustellen, nachdem V rausfand dass das Entertainment der Jungs im Land der Asche sitzt
- Oona, die die letzten Wochen durchgehend im Haus der Rekruten verbrachte, weiß davon noch nichts. Ihr ist lediglich klar, das Besuch erwartet wird


RE: Fanfic goes alive - Oona - 17.08.2023 04:06

Outfit

Einstieg

Heilige Jungfrau im Schleier, wie hatte sie das vermisst! Das Gefühl der Schwerelosigkeit. Das sanfte Streicheln des wogenden Wassers. Die kühlenden Finger des nächtlichen Windes, wo immer auf ihre nackte Haut traf.
Oona liebte dieses Gefühl des kleinen Friedens, wann immer sie die Zeit fand hierher zu kommen. Sie genoss die endlosen Minuten, in denen sie nichts anderes hörte als den dumpfen Herzschlag des großen Sees, der sie umgab.
Seitdem die Bruderschaft vor Jahren zusammengezogen war, war ihr Leben chaotisch und laut und vor allem chaotisch geworden. Oona wollte keinen einzelnen Tag davon missen. Trotzdem brauchte sie diese regelmäßige Auszeit, um den eigenen Akku wieder aufzuladen.

Beide Arme weit ausgebreitet, trieb die junge Doggen auf der dunklen Oberfläche. Jeder Atemzug trieb ihr die Gerüche des Wassers, der umliegenden Bäume und Gräser und Pflanzen in die Nase. Es roch erdig. Grün. Vertraut. Es roch nach … Zuhause.
Im Laufe des Nachmittags hatte es gewittert und als Oona nun die Lider aufschlug, spannte sich der nächtliche Sternenhimmel wolkenlos klar über die Welt. Millionen funkelnder Diamanten in den Tiefen eines endlosen Ozeans.
Heilige Scheiße, sie war heute aber wirklich selten romantisch!

Oona seufzte tief, während sie träge mit den Armen ruderte und das Wasser zwischen ihren gespreizten Fingern hindurch gleiten ließ. Irgendwie war sie schon seit Tagen nicht so gut drauf. Die Arbeit ging ihr schwerer von der Hand. Vom schreiben mal lieber ganz zu schweigen. Mal gut dass sie noch ein paar fertige Kapitel in Reserve hatte, denn aktuell würde ihr vermutlich der bissige Flow etwas verloren gehen. Nur woran genau das lag, konnte sie gar nicht so recht bestimmen. Vielleicht war es die permanente Gegenwart der Rekruten gewesen, die sie systematisch runtergezogen hatte.

Lieber Himmel, das klang so gemein! Die Jungs konnten dafür überhaupt nichts. Sie gaben einfach ihr Bestes, um im Programm der Bruderschaft voran zu kommen. Blöderweise war halt aber das der Knackpunkt. Sie folgten einer Idee, einem Traum oder vielleicht sogar einem Ideal, während sie selber im immer gleichen Trott feststeckte. Bestimmt vom Status, mit dem sie geboren worden war: Eine Doggen. Eine Dienerin, deren Lebenssinn es war, die Wünsche ihres Herrn zu erfüllen und ihm jeden Tag so angenehm wie möglich zu gestalten. An sich, eine dankbare Aufgabe. Vor allem hier, wo sie und Ihresgleichen gut und respektvoll behandelt wurden. Dennoch empfand sie nicht die gleiche Erfüllung bei ihrer Pflicht, wie beispielsweise ihr Großvater. Für ihn gab es nichts schöneres, als die Zufriedenheit der Hausbewohner. Für Andere nützlich zu sein, bedeutete für ihn, glücklich zu sein.

Nicht selten wünschte Oona, sie wäre genauso wie er. Das sie einfach mit dem zufrieden sein könnte, was sie hatte. Aber tief im Herzen wusste sie mittlerweile, dass sie sich damit selbst belügen würde. Und wie so oft, trieb ihr die Erkenntnis über ihre ausweglose Lage auch jetzt brennende Tränen in die Augen.
Sie wollte das nicht. Sie wollte nicht undankbar sein. Jeder im Hause des Königs behandelte sie gut. Sogar Zsadist, indem er ihr einfach aus dem Weg ging, statt sie zu attakieren. Ob nun tätlich, oder verbal. Rhage gab ihr ständig einen seiner geliebten Lollies. Phury spielte hin und wieder auf der Violine, wenn sie in seinem Zimmer zu Gange war. Vishous hatte ihr mal erklärt wie das Kamerasystem eigentlich funktionierte und Butch lud sie immer mal wieder auf eine kleine Runde am Kickertisch ein.

Es gab so viele Doggen, denen es so viel schlechter ging als ihr. Die gedemütigt, oder sogar misshandelt wurden. Und klar, natürlich besaßen auch Diener wie sie Rechte, aber wo würde man schon eine neue Anstellung finden, nachdem man dem letzten Herrn in den Rücken gefallen war?
Bedachte man all das, war es sogar für Oona selber unverständlich, wieso sie unglücklich war, wenn sie an den Rest ihres Lebens dachte. Aber es war so. Zwischen den Doggen in diesem Haus, die ihre Aufgaben mit tiefster Hingabe lebten, fühlte sie sich allein und unverstanden, obwohl sie sich wirklich alle Mühe gab dazuzugehören.

Kein Wunder, dass sich Cerys' Charakter in ihrer Geschichte so entwickelt hatte, wie er schlussendlich geworden war. In nicht wenigen Punkten war das erfundene Wechselbalg wie ein Spiegelbild ihrer Selbst. Aber damit ging sie unter ihren Lesern mal lieber nicht hausieren. Am Ende hielt man sie noch für einen dieser durchgeknallten Sasaengs, die ernsthaft glaubten in einer geheimen Beziehung mit ihrem Idol zu stecken. Brr!

Als plötzlich eine Sternschnuppe über den Himmel zuckte, richtete Oona sich ruckartig auf. Kopf und Schultern tauchten plätschernd aus dem Wasser auf. Sie fing an mit den Beinen zu schlagen, um sich oben zu halten. Ihr Blick aber richtete sich weiterhin nach oben, wo der Schweif des fallenden Sterns schon längst wieder erloschen war.
Von der Prinzessin wusste sie, dass Menschen diesem Phänomen magische Kräfte zuschrieben. Sternschnuppen sollten Wünsche erfüllen können, wenn man schnell genug war sie zu denken. Nur zu denken! Niemals durfte man sie laut aussprechen. Und obwohl Oona nicht wirklich daran glaubte und obwohl der Stern schon längst verglüht war, faltete sie die Hände vor der Brust und wünschte sich eine Veränderung. Ein Wunder, das sie aus ihrer misslichen Lage befreite.

„Wie genau muss der Wunsch eigentlich sein?“ Das hatte ihr die Prinzessin leider nicht verraten. Doch als der Lockenkopf sich endlich vom Anblick des Himmels lösen konnte und zum Ufer hinüber sah, stockte ihr der Atem. Wortwörtlich.
Sie war nicht mehr allein. Aber die Person, die da neben einer der mächtigen Kiefern stand, konnte unmöglich echt sein. Das Licht des Mondes fiel ungehindert auf ihn nieder, wodurch Oona sein Gesicht zweifelsfrei erkannte. Immerhin existierte kein großer Unterschied in der Sehschärfe von Doggen und richtigen Vampiren.

Trotzdem blinzelte die junge Dienerin zweimal schnell hintereinander. Nur für den Fall, dass sie doch halluzinierte. Der Mensch allerdings verschwand nicht. Er stand noch immer da. Sah noch immer zu ihr rüber. Der Ausdruck in dem erschreckend vertrauten Gesicht zeigte noch immer Überraschung.
Das da vor ihr war tatsächlich Kim Hongjoong. Captain von Ateez. Rapper. Songwriter. Hobbyfotograf. Oder anders gesagt, ein Ausnahme-Multitalent auf zwei Beinen. Aber WIE ZUM DHUNHD kam er hierher? Und wo war plötzlich das Gefühl in ihren Gliedmaßen hin verschwunden? Oona hatte das Gefühl, völlig taub zu sein. Wenn man von ihrem Magen einmal absah, der im Schwebezustand des Schwimmens fröhlich Purzelbäume schlug. Was sollte sie denn jetzt bitte machen? Ihr war vollkommen schleierhaft was ein koreanischer Musiker hier zu suchen hatte. Oder noch viel wichtiger, wie er überhaupt aufs Gelände …

Da fiel es der Doggen plötzlich wie Schuppen von den Augen. Der erwartete Besuch! Heilige Jungfrau der Schrift. Dadurch dass sie die letzten Wochen nicht hier gewesen war, hatte sie heute nur am Rande erfahren, dass Hannah Gäste erwartete. Also eigentlich der König, aber eben für seine Tochter. Oona war davon ausgegangen, dass es sich um ihre Freundinnen handeln würde. So kurz nach der überstandenen Wandlung. Aber ganz sicher hätte sie niemals mit Ateez gerechnet! Und je weiter diese Erkenntnis in ihr vernebeltes Hirn vordrang, desto heftiger fing ihr Herz an zu schlagen.
Hongjoong … Er stand da wirklich. Nur ein paar Meter entfernt. Und zwar nicht unerreichbar auf einer Bühne, sondern am Ufer des Sees, in dem sie noch immer wie Treibholz watete.

Oona schluckte heftig, dann fischte sie ihren Mut wieder zusammen und schwamm zurück ans Ufer. Irgendwas musste sie ja machen und ob sie es nun wollte oder nicht, Erziehung und Stellung zwangen sie förmlich in ihre Rolle zurück, obwohl sie den Rest der Nacht eigentlich frei hatte.

Kaum ertasteten ihre nacken Füße den sandigen Untergrund, drückte sie sich in die Senkrechte und versuchte die nasse, dunkle Mähne auf ihren Schultern zumindest ein bisschen zu bändigen. Irgendwie wurde ihr dabei auch schmerzlich bewusst, wie wenig sie gerade anhatte. Was seltsam war. Mit ihrem Körper war sie schon immer im Reinen gewesen. Sie schämte sich dafür nicht. Naja, für gewöhnlich zumindest nicht. Jetzt gerade war ihr ihr Aufzug – obwohl durchaus angebracht – unangenehm. Vielleicht lag das aber auch ganz einfach an ihm. An seiner Person. An ihrer Einstellung zu ihm. An seinem kulturellen Background. Und vielleicht ein ganz kleines BISSCHEN an der fanatsievollen Geschichte, in der er die Hauptrolle spielte! Gott, sie wünschte sich gerade ehrlich Omega herbei, dass er sie einfach in den Dhunhd ziehen möge. Was natürlich nicht passierte. Der Jungfrau sei Dank.

„Guten Abend“, blieb ihr demnach keine andere Möglichkeit, als ihn gebührend zu begrüßen. Mal abgesehen davon, dass sie seine Arbeit echt vergötterte, stand ihm als Ehrengast des Königs selbstverständlich tiefste Ehrerbietung ihrerseits zu. Lediglich der Effekt ihrer demütigen Verbeugung hinkte etwas, bedingt durch den, sagen war mal, legeren Begossener-Pudel-Aufzug.
„Kann ich Euch behilflich sein, Herr?“
Wie sehr diese unerwartete Situation eigentlich schmerzte, verdrängt Oona überraschend professionell. Ein Doggen sollte sich schließlich nicht gedemütigt fühlen, nur weil er tat was seine Aufgabe war. Egal wann. Egal wo. Egal wem gegenüber.


RE: Fanfic goes alive - Hongjoong Kim - 11.03.2026 23:19

Outfit & Teil 2

Sie warten erst vor kurzem hier angekommen und Hongjoong war mehr als sprachlos was diesen Ort alleine schon anging. Von den gesamten Umständen mal ganz zu schweigen. Nicht nur das sie hierher gekommen waren wegen einem waschechten Privatkonzert.. was ja für sich selbst schon eine Sache war mit der der Koreaner bisher im Leben nicht gerechnet. Wie auch? Von so etwas hatte er ja nicht einmal bisher gehört und wie er nun wusste war das hier auch etwas besonderes. Immerhin waren sie bei der königlichen Familie der Vampire. Das er das wirklich mal denken würde hätte Hongjoong auch nicht erwartet. Aber es verwirrte ihn auch nachdem er ja erst vor kurzem von Vampiren. Werwölfen und was es sonst alles gab erfahren hatte, hätte er schwören können das es hieß das die königliche Familie im Land der Asche lebte. Was hatte das dann zu bedeuten? Hongjoong beschäftigte das auch wenn es wohl für den Grund ihres Aufenthaltes hier überhaupt keine Rolle spielte.

Der Rapper war noch mit seinen Gedanken beschäftigt während er das große Hauptgebäude verlassen hatte und folgte einem der Pfade die ihn über das Anwesen führen sollten. Ein Ziel hatte er nicht vor Augen, immerhin kannte er sich hier ja auch nicht aus. Aber man hatte ihnen gesagt das sie sich frei bewegen durften und ihm war gerade einfach danach sich an der frischen Luft zu bewegen. Mit etwas Glück würde es ihm helfen seine eigenen Gedanken zu sortieren um sich dann auch auf das hier fokussieren zu können weswegen sie hierher gekommen waren. Allerdings fragte er sich schon was der wirkliche Grund dafür war das das Entertainment sich für diese Show hier entschieden hatte. Und es war ja zudem auch nicht wie sonst. Sie reisten an.. blieben eine Nacht oder vielleicht zwei ehe sie die Stadt verließen um zur nächsten Stadt für ihr nächstes Konzert zu reisen. Aber nicht in diesem Falle.

Erst als er eine Bewegung und das plätschernder Geräusch von Wasser hören konnte war Hongjoong nicht nur stehen geblieben sondern sah auch wie gebannt zu dem Grund für diese Kombination von Eindrücken. Mitten in einem kleinen See stand SIE.. eine junge Frau mit dunklen Haaren... ihre Konturen waren im Schein des nächtlichen Mondes nur zu deutlich zu erkennen und sie wirkte auf ihn wie eine übernatürliche Schönheit. Ja beinahe Elfenhaft und das war eindeutig ein Wort was Hongjoong nicht häufig benutzte. Aber es schien gerade jetzt sehr passend. Eine leichte röte hatte sich auf seine Wangen gelegt und sie schien stärker zu werden als er realisierte das die junge Frau gerade dabei war zu ihm herüber zu schwimmen. Von einer Sekunde zur nächsten hatte der Rapper sich unwohl in seiner Haut gefühlt oder eher ertappt. Er wollte nicht das die junge Frau ein falsches Bild von ihm hatte oder gar noch annahm das er sie womöglich wie eine Voyeur beobachtet hatte.

Vielleicht wäre es gut gewesen einfach auf dem Hacken kehrt zu machen und wieder zum Haus zurück zu gehen, aber dann würde er sich umso schäbiger vorkommen. Es war einfach sein Wunsch das Sie kein falsches Bild von ihm hatte auch wenn sie sich nicht einmal kannten.
All das rutschte schon im nächsten Moment in den Hintergrund als sie nur wenig bekleidet aus dem Wasser auftauchte und zugleich weiter auf ihn zu kam. "Guten Abend..", sagten sie beide beinahe gleichzeitig was ihn selbst für einen Moment schmunzeln ließ auch wenn ihm die Verbeugung nicht entgangen war. "Mir behilflich?", fragte er ein wenig irritiert und glaubte gerade nicht ganz mitzukommen. "Ich hoffe ich habe Sie nicht überrumpelt. Das war nicht in meinem Sinne. Ich habe nicht damit gerechnet hier jemanden anzutreffen.", begann er sich zu erklären und hatte nebenbei schon seine Jacke ausgezogen um sie ihr zu reichen. "Womöglich ist es so ein wenig .. ähm angenehmer?", kam es fragend klingend von ihm. Die Dunkelhaarige brachte ihn gerade schon ein wenig aus dem Konzept aber er nahm an das es für sie womöglich unangenehm war so halbnackt vor ihm zu stehen oder hatte er ein falsches Bild? "Sie müssen mich nicht mit Herr ansprechen.. meine Name ist Kim Hoongjoong. Es freut mich sehr." Irgendwie hatte er gerade das Gefühl das das hier ziemlich holprig lief und es lag mitunter an ihm.


RE: Fanfic goes alive - Oona - 29.04.2026 21:04

Oona klopfte das Herz bis zum Hals. Noch nie, wirklich noch NIE in ihrem Leben war sie so aufgeregt gewesen, wie in dem Augenblick als sie den schützenden Mantel des Sees verließ, um sich allen Ernstes dem Leader von Ateez zu stellen. Von oben bis unten triefend nass, mit kaum mehr als zwei fetzen Stoff am Leib, die mehr preisgaben als verdeckten. Es war, als wäre sie von jetzt auf gleich in eine abstrakte Version ihrer eigenen Fanfiction gefallen und scheiße ja, für einen winzigen Moment fragte sich der Lockenkopf ob sie im See eingepennt war und jetzt den schrägsten Todestraum der Weltgeschichte durchwanderte. Was natürlich Schwachsinn war. Sowohl sie selbst, wie auch Hongjoong waren quicklebendig. Oona glaubte sogar, seinen Herzschlag unter dem dumpfen Pochen ihres Eigenen zu hören.
„Guten Abend..“
Die junge Doggen erstarrte in ihrer tiefen Verbeugung. Nicht nur das sie praktisch zur gleichen Zeit die gleichen Worte wählten, nein … allein beim Klang seiner ungefilterten, einzigartigen, weichen Stimme raste Oona so sengend heiße Gänsehaut über den nassen Rücken, dass sie ihn instinktiv durchdrückte. Was im Namen der Jungfrau war das? So hatte sie noch nie auf jemanden reagiert. Auf einen Menschen schon gar nicht. Und trotzdem zog ihr Innerstes sich bei seinem dunklen, maskulinen Duft erwartungsvoll zusammen, kaum das ihre Lungen aufgrund von Sauerstoffmangel ihre Arbeit notgedrungen wieder aufnahmen.

„Mir behilflich?“
Oona konnte seine Irritation regelrecht hören, was sie im ersten, unterbelichteten Moment überhaupt nicht verstand. Schließlich war sie eine Dienerin. Klar bestand ihre Aufgabe dementsprechend darin einem Ehrengast des Königs für Anliegen und Wünsche zur Verfügung zu stehen. Das er das gar nicht wissen konnte … tja, der Groschen fiel bei dem Lockenkopf dagegen nicht so schnell wie er sollte. Aber um fair zu bleiben. Das da vor ihr war verdammt nochmal Kim Hongjoong! Und so wie das Innenleben ihres erdachten Wechselbalgs, stellte er gerade auch ihr eigenes komplett auf den Kopf. Als Doggen war Oona nicht auf Blut angewiesen um am Leben zu bleiben und trotzdem pulsierten ihre Fänge mit jedem Herzschlag. Das war total verrückt.
„Ja“, bestätigte sie seine Nachfrage schließlich demütig. Mist. Ihre Stimme zitterte dabei leicht. „Ich mag gerade nicht den Eindruck erwecken, doch ich bin eine der Doggen des Hauses“, versuchte sie ihm den Sinn ihrer Worte zu erklären und gleichzeitig den tonnenschweren Kloß in ihrem Hals runter zu schlucken, der sich sofort bildete. Ausgerechnet dem Menschen ihre ungeliebte Stellung im Leben zu verdeutlichen, der SO eine Reaktion in ihr auslöste, tat höllisch weh. Aber was hatte sie bitte erwartet? Das ein fallender Stern wirklich auf Knopfdruck Wunder vollbrachte? Wenn man mehr wollte als das Geburtsrecht für einen vorsah, dann musste man eben damit leben enttäuscht und verletzt zu werden. Das wusste sie doch schon lange.

„Ich hoffe ich habe Sie nicht überrumpelt. Das war nicht in meinem Sinne. Ich habe nicht damit gerechnet hier jemanden anzutreffen.“
Oona schloss für einen Moment die Augen, atmete unauffällig durch und wappnete sich innerlich für seinen Anblick, bevor sie sich schlussendlich wieder aufrichtete. Bereits ein verständnisvolles Lächeln auf den vollen Lippen.
„Ihr habt mich überrascht, aber das ist nicht ...“
Die Stimme der jungen Doggen verlor sich, kaum das sie die schwarze Jacke registrierte, die er ihr entgegen hielt.
"Womöglich ist es so ein wenig .. ähm, angenehmer?"
Oonas Herz sprang ihr bis in die Kehle. Sie blinzelte perplex, unfähig auch nur einen Mucks von sich zu geben. Dabei war sie alles andere als auf den Mund gefallen. Schließlich war sie mit einigen Kriegern der Bruderschaft mehr oder minder aufgewachsen. Jetzt und hier schmierte diese Schlagfertigkeit aber komplett ab. Vor allem als er Tatsache noch einen drauf setzte.
"Sie müssen mich nicht mit Herr ansprechen.. mein Name ist Kim Hongjoong. Es freut mich sehr."

Das war der Augenblick, in dem sich in Ihrem Innern irgendwas verschob. Oona merkte richtig, wie ihr die Last der Situation einfach von den Schultern rutschte und sie einfach wieder … ja, sie wurde. Eben noch demütig in ihrer Rolle gefangen, durchbrach die grundlegende Herzlichkeit des Koreaners das Kettengerüst ihrer Erziehung und ließ sie etwas tun, bei dem ihr Großvater mit Sicherheit einen Herzinfarkt erlitten hätte. Sie senkte den Blick von seinem schönen Gesicht zurück auf die Jacke und griff dann mit einem schüchternen Lächeln vorsichtig zu.
„Vielen Dank.“
Im silbrigen Licht des Mondes leuchtete das weiße Logo von Ateez auf dem rechten Ärmel und bei der Jungfrau, als sie sich den weichen Stoff, der noch Hongjoongs Körperwärme und Duft in sich trug, über Arme und Schultern zog, hätte sie vor Dankbarkeit heulen können. Oona zog die Jacke vor ihrer Brust zusammen und kuschelte sich regelrecht hinein, obwohl ihr nicht mal wirklich kalt war.
„Ich gebe sie Euch nachher gewaschen und trocken zurück, das verspreche ich.“ Erneut senkte sie den Kopf, aber dieses Mal nicht weil sie musste, sondern weil sie dieses Versprechen todernst meinte. Dadurch das sie ohnehin frei hatte, hatte sie dafür auch die ganze Nacht Zeit.

„Mein Name ist übrigens Oona“, stellte auch sie sich mit einiger Verspätung schließlich vor, kaum dass sie sich wieder aufrecht gegenüber standen. „Mein Großvater ist der leitende Butler des Hauses. Fritz. Ich nehme an, ihn habt Ihr schon kennengelernt.“
So wie sie ihn kannte, hatte er es sich mit Sicherheit nicht nehmen lassen die Künstler höchstpersönlich vom Flughafen hierher zu fahren.
„Möchtet Ihr euch auf dem Gelände ein wenig umsehen?“
Ehrlicherweise fiel Oona kein anderer Grund ein, warum er sonst bis hierher gelaufen sein sollte. Mal von der Möglichkeit abgesehen, dass ihm im Haus vielleicht zu viel Vampir-Power vorherrschte. Was die Doggen unweigerlich zu der Frage führte, wie viel er von ihrer Art eigentlich wusste. Schließlich hätte Wrath die Band doch nicht hierher geholt, wenn sie ein totales Sicherheitsrisiko wären. Oder hatte er vor, ihre Gedächtnisse danach einfach zu manipulieren? Das wäre mit Sicherheit das klügste. Doch nur ein Blick in Hongjoongs Gesicht und die Doggen betete, das dem nicht so sein würde.